Interview mit Sherina: „Wahnsinnig schön mitzuerleben, wenn eine Frau glücklich wird.“

Nach fast 20 Jahren als Expertin für Curly Hair hat sich die Unternehmerin Sherina Ogbomo neu erfunden und ihre Laufbahn als Premium Life Coach für erfolgreiche Frauen an Wendepunkten gestartet. Wie sie zu dieser Entscheidung kam, warum Frauen ab 40 ihre besondere Aufmerksamkeit genießen und was ein guter Hairstyle und ein gutes Coaching gemeinsam haben, erzählt sie in diesem Gespräch.

Interview: Karina Scholz

Sherina, du hast dir als Curly-Hair-Artist in Deutschland und darüber hinaus einen exzellenten Ruf und eine treue, teils prominente Kundschaft aufgebaut. Wieso hast du deinen etablierten Salon aufgegeben und dich ganz dem Coaching gewidmet?
Ich liebe das Friseurhandwerk und habe es 19 Jahre lang mit ganzem Herzen ausgeübt, 12 Jahre davon in meinem eigenen Salon Art of Hair by Sherina. Alle unternehmerischen Ziele, die ich mir für meine Selbstständigkeit gesteckt hatte, habe ich mit Erfolg erreicht. Dann schlug Corona in mein Leben ein. Vieles musste ich gleichzeitig verarbeiten – einen Schicksalsschlag in der Familie, mein Salon musste monatelang geschlossen bleiben, ich stand Existenzängste aus und sollte meine Tochter als frischgebackene Erstklässlerin geduldig im Homeschooling betreuen.

Eine enorme Belastung.
Ja, und in dieser Zeit kam ich ins Nachdenken. Irgendwann wurde mir bewusst, dass das Leben zu kurz ist, um immer nur zu rotieren. Der Laden stand eigentlich jahrelang über meiner Familie. Ich brauchte die Krise, um das für mich innerlich ganz zu verstehen. Und dabei wuchs meine Sehnsucht nach etwas Neuem. Ich wollte sehen, was es in der Welt noch für mich gibt.

Und so kamst du zum Coaching?
Erstmal hat es gedauert, bis ich mich von meinem Laden und meinen Kundinnen lösen konnte. Schmerz und Tränen gehörten dazu. Der Prozess hat fünf Jahre gedauert.

Was hat dir Freude gemacht in deiner Profession als Curly Hair Artist?
Das Beste war, zu sehen: Jede Frau ist schön. Egal wie alt, welche Figur, welche Hautfarbe. Selbst die unsichersten Kundinnen strahlten, wenn ich ihnen die Haare gemacht hatte. Für viele war das so ein Selbstbewusstseins-Boost! Sie gingen verwandelt aus dem Laden raus. Das habe ich geliebt. Ich wollte jeder Frau zeigen: Du bist schön. Mit meiner Kunst, die Haare schick zu machen, konnte ich ihnen das ein Stück weit mitgeben.

„Ich will Klarheit, Selbstwert und Motivation stiften“ – vom Friseursalon zum Coaching

Klingt, als ob du einen guten Draht zu deinen Kundinnen hattest.
Absolut. Meine Verbindung zu meinen Kundinnen war sehr tief. Da ging es um viel mehr als ums Haareschneiden. Ich wollte immer wissen: Wer sitzt da auf meinem Stuhl? Ich wollte diese Frau wirklich kennenlernen, sie verstehen. Daraus hat sich dann in meinem Kopf ein Bild ergeben, wie die Haare sein müssen, damit diese Frau sich wohlfühlt. Ich würde sagen, das ist meine Superpower. Diese Intuition habe ich nach wie vor – im Coaching ist sie Gold wert.

Die Curly Community hält zusammen, oder? Liegt das daran, dass sich Menschen unterschiedlichster Nationalitäten bei dir und deinem Team verstanden gefühlt haben?
Es ist eine spezielle Sache, Afro Hair zu stylen. Für die Curly Community war mein Salon ein beliebter Anlaufpunkt. Meine Kundinnen kamen aus ganz Deutschland zu mir, auch aus benachbarten Ländern wie Italien, manche sogar aus den USA. Bei uns ist die ganze Welt ein- und ausgegangen. Ich habe mich immer gefreut, wenn der Laden voll war, alle sich gut unterhalten und sich wohlgefühlt haben. Der Salon war ein echter Safe Space.

Und dann kam der Cut und du hast ein neues Kapitel begonnen.
Als ich bekanntgab, meinen Laden zu verkaufen, bekam ich Hunderte von Nachrichten über Instagram und WhatsApp. Meine Kundinnen erzählten mir, was ich für sie war: Vorbild, Inspiration, starke Frau und so weiter. Als ich das alles las, wurde mein innerer Kritiker ganz klein. Mir wurde bewusst: Ich kann so viel mehr als Haareschneiden. Ich habe die Leute gestärkt. Klarheit in ihr Leben gebracht. Selbstwert und Motivation vermittelt – alles Dinge, die ich seit Jahrzehnten verkörpere und die ich als Coach für meine Klientinnen noch mal auf ein ganz neues Level bringen darf.

„Frauen um die 40 sind faszinierend“ – warum Sherina Frauen in Lebensphasen des Wandels stärkt

Und dieses Talent wolltest du professionalisieren?
Mich hat schon immer interessiert, wie wir Menschen denken. Warum wir uns manchmal selbst mit negativen Gedanken so viel Leid zufügen, obwohl es keinen Grund dafür gibt. Ich liebe es, Menschen weiterzubringen. Als ich in meinem Veränderungsprozess selbst ein intensives Coaching in Anspruch nahm, reifte der Entschluss: Ich werde Life Coach. Ich möchte Frauen stärken, wie ich es schon immer in meinem Laden getan habe – nur ohne Haareschneiden. Die Skills – wie man Gespräche führt, Coachings aufbaut und Menschen weiterbringt – habe ich mir in Ausbildungen an führenden Coaching-Institutionen in Deutschland systematisch angeeignet.

Warum sind es ausgerechnet Frauen, denen du deine Arbeit widmest?
Frauen um die 40 sind faszinierend. Für die meisten beginnt ab 40 eine ganz neue Phase im Leben. Sie haben beruflich meist schon etwas erreicht und beginnen, vieles zu hinterfragen. Fragen wie „Was will ich eigentlich?“ und „Wie möchte ich die nächsten Jahre leben?“ tauchen auf. Dazu kommt das Älterwerden, eine gewisse Reife – alles spannende Themen. Ich möchte Frauen in dieser Zeit stärken. Ich sehe mich als Mentorin, die Frauen durch tiefe Veränderungsprozesse begleitet. Ich möchte die Weggefährtin sein, die ich früher selbst gerne gehabt hätte – eine, die aus meiner Welt kommt.

Was ist das für eine Welt?
Eine Welt, in der wir Mutter, Ehefrau, Business Woman und vieles andere zugleich sind – und in allen Lebensbereichen gut sein sollen. Ich hatte lange das Gefühl, in allem perfekt sein zu müssen. Dabei ist das Quatsch. Diese Art von gesellschaftlichem Druck kennt jede Frau irgendwann im Leben. Sich mit der besten Freundin auszutauschen ist okay, aber die Begleitung durch einen professionellen Coach und den Blick von außen empfinde ich als sehr viel hilfreicher. Ich glaube, dass ich dafür die richtige Person bin, weil ich selbst tiefe Veränderungsprozesse in diesem Alter durchlebt habe. Ich weiß, wovon ich rede – und wie ich meine Erfahrungen in ein hochwertiges Coaching übersetze.

Nach dem Tal der Tränen steigt die Lebenskurve wieder an – Wachstum durch Veränderung

Sherina, du hast afrikanische Wurzeln und kennst die Lebensrealitäten von gemischt-ethnischen Frauen in Deutschland. Inwiefern beeinflusst das deine Arbeit?
Ich weiß aus eigener Erfahrung: Man muss sich immer mehr beweisen als in Deutschland geborene weiße Menschen. Obwohl der Werdegang gleich ist, bleibt dieser Druck. Du musst dich behaupten. Und es gibt nach wie vor Rassismus. In meiner Curly-Bubble gab es viele Fälle, in denen Frauen mit anderer Hautfarbe erniedrigt und angefeindet worden sind. Etliche Kundinnen hatten deswegen Komplexe – wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer Haare. Diese Kränkungen tragen sie oft bis ins hohe Alter mit sich herum. Durch meine Ausbildungen verstehe ich inzwischen besser, woher solche Gedanken kommen und wie sie sich auflösen lassen. Coaching ist auch in kultureller Hinsicht sehr gewinnbringend.

Was sind die schönsten Momente in einem Coaching für dich?
Eine Gänsehaut bekomme ich, wenn die Augen einer Klientin plötzlich leuchten, die Mimik sich verändert und klar wird, dass eine zentrale Erkenntnis da ist. Wow! Das ist so ein schönes Gefühl! Das geht bei mir tief ins Herz. Und wenn sie dann in der nächsten Sitzung erzählt, was sich seit diesem „Klick“ im Kopf für sie verändert hat – es ist einfach wahnsinnig schön mitzuerleben, wenn eine Frau sehr viel erfüllter und glücklicher wird.

Mit welchen Themen kommen deine Klientinnen zu dir?
Die meisten fragen sich: „Wer bin ich eigentlich?“ Egal, ob sie sich für die Karriere, für die Kinder, für Angehörige oder ein anderes Projekt ausgepowert haben – irgendwann kommt der Punkt, an dem sie sich fragen, was es da draußen noch gibt. Diese tiefen Fragen lassen sich nicht in 90 Minuten „wegcoachen“. Es braucht einen Prozess – und da gehört dann auch das Tal der Tränen dazu, damit die Lebenskurve anschließend wieder nach oben gehen kann.

Wer frei ist, kann mutig aus der Komfortzone treten – und über sich hinauswachsen

Hast du ein solches Tal der Tränen persönlich erlebt?
Ja, definitiv. Gerade wir Mütter sind so sozialisiert, dass wir oft die Rolle der starken Frau spielen, die alles im Griff hat. Wie es uns innerlich wirklich geht, bleibt im Außen oft verborgen. Jede Mutter kennt dieses Gefühl der Überforderung, den Anspruch, jedem gerecht werden zu wollen, die Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf. Als ich begann, offen darüber zu sprechen, wie schlecht es mir ging, reagierten viele in meinem Umfeld erstaunt. Sie konnten es kaum glauben, dass ich in einer Krise war.

Was ist deine Vision für Frauen in unserer Gesellschaft?
Meine Vision ist ein selbstbestimmtes, erfülltes, buntes Leben voller Möglichkeiten für alle wunderbaren Frauen da draußen. Dazu gehört für mich auch, dass es normal wird zu sagen: „Ich schaffe das gerade nicht.“ Dass es okay ist, auch mal schwach zu sein. Dass wir offen und ehrlich zugeben dürfen, etwas nicht zu schaffen – ohne schlechtes Gewissen oder Scham. Und dass es selbstverständlich wird, sich Unterstützung zu holen. Meine Botschaft an die Frauen ist: Du brauchst nicht perfekt zu sein. Ohne diesen Druck ist das Leben wunderbar frei und bunt. Diese Wahrnehmung möchte ich jeder Frau ermöglichen. Denn wer frei ist, kann mutig aus seiner Komfortzone heraustreten und neue Dinge tun. Dadurch entsteht Selbstbewusstsein – und das wünsche ich jeder Frau von Herzen.

Sherina, wie würdest du deinen Coaching-Stil beschreiben? Was erwartet deine Klientinnen?
Professionell und zugleich voller Herzenswärme, manchmal sportlich-herausfordernd und immer mit viel Gespür und Intuition für mein Gegenüber. So bin ich. Wer mit mir arbeiten will, darf außerdem wissen, dass ich mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche lebe. Das beeinflusst mein Lesen und Schreiben, aber nicht meine Kompetenz, auf hohem Niveau zu coachen und Frauen entscheidend weiterzubringen.

Danke für das Gespräch, liebe Sherina.

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